Es war einmal ein kleiner Bach, der kam an den Rand einer großen Wüste. Er fürchtete sich, weiterzugehen und auszutrocknen. Aber eine innere Stimme sagte ihm, er solle keine Angst haben und ruhig weitergehen …

Nach einigem Zögern ging der Bach dann doch weiter, wenn es ihm auch nicht sehr wohl dabei war. Es wurde immer heißer und schließlich verdunstete der kleine Bach.
Die aufsteigenden Tröpfchen sammelten sich in der Luft. Sie bildeten bald Wolken, die über die Wüste zogen…
Die Wolken reisten viele Tage, bis sie hinter der Wüste zum großen Meer kamen. Dort regneten sie sich leer.

Das Bächlein wurde nun Teil des unendlichen Meeres und führt ein viel schöneres Leben, als es je erträumt hatte. Während das Bächlein sich sanft von einer Welle tragen ließ, überlegte es lächelnd:
“Mehrmals habe ich meine Daseinsform verändert – und doch bin ich jetzt mehr ich selbst als je zuvor.”

Auch wenn wir Vertrautes zurück lassen und unsere Form verändern, so bleiben wir doch das, was wir in unserem tiefsten wesen sind. Und Veränderungen, so sehr sie uns auch Anfangs verunsichern mögen, helfen uns, uns von oberflächlichen Identifikationen zu lösen und wirkliche innere Transformation zu erfahren …

(aus: Die spirituelle Schatzkiste von Arjuna P. Nathschläger)